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INTERVIEW DIE ZEIT

Aktualisiert: 25. Nov 2020


SEINE FOLLOWER SIND IHM EGAL


Source: zeit.de

06. November 2014


Tausende Privatanleger folgen online gemeinsam lieber dem Rat von Menschen wie "Ritschy" als offline ihrem Bankberater zu vertrauen. Ein Besuch in Wien.

Von  Marcus Pfeil

6. November 2014, 4:50 UhrEditiert am 14. November 2014, 13:23 UhrDIE ZEIT Nr. 44/2014, 23. Oktober 20141 Kommentar



Fast 3.000 Menschen folgen "#Ritschy". Sie wollen von ihm wissen, wie er sein Geld vermehrt. Sie warten darauf, welche Aktie er als Nächstes kauft oder von welcher er lieber die Finger lässt. Auf der Social-Trading-Plattform Wikifolio aus Wien können sie jeden seiner Schritte nachverfolgen. Die meisten seiner Anhänger vertrauen ihm dort so sehr, dass sie seine Anlagestrategie einfach kopieren und insgesamt fast zehn Millionen Euro in Zertifikate gesteckt haben, die sein Kauf- und Verkaufsverhalten kopieren. #Wikifolio legt solche Zertifikate gemeinsam mit dem Düsseldorfer Börsendienstleister Lang & Schwarz immer dann auf, wenn es Typen wie "Ritschy" gelingt, die Herde der Anleger von sich zu überzeugen. "Ritschy" hat drei verbriefte Portfolios, alle drei haben ihren Wert seit Frühling 2013 mehr als verdreifacht. Von Wikifolio bekommt "Ritschy" dafür eine Erfolgsprovision, in diesem Jahr wird für ihn wohl ein hoher fünfstelliger Betrag herausspringen.

Tausende Privatanleger begeben sich online lieber gemeinsam in die Hände von Menschen wie "Ritschy", als offline allein ihrem Bankberater zu vertrauen.

Wikifolio ist ein Tummelplatz für Menschen, die sich die Aktienanlage zutrauen, aber keine Zeit haben, sich selbst darum zu kümmern. So wie beim Kurznachrichtendienst Twitter vom Wissen anderer Nutzer wollen sie auf den Social-Trading-Plattformen von den Ideen anderer Investoren profitieren. Und Geld verdienen, indem sie das Kauf- und Verkaufsverhalten der erfolgreichsten Investoren nachahmen.

Seit der Gründung im Jahr 2012 haben sich über 20.000 User auf Wikifolio registriert, 5.700 haben ihre Strategien ins Schaufenster gestellt, 1.700 davon können Privatanleger als Zertifikate über die Börse Stuttgart kaufen oder verkaufen. Fast 100 Millionen Euro stecken derzeit in solchen Papieren, 60 Millionen mehr als Ende 2013.